27.05.2020

Museumsköpfe: "Können mich alle hören?"

Nach langer Zeit zum ersten Mal am richtigen Arbeitsplatz. Foto: LWL/ Sara Hirschmüller

Der neue Job im Homeoffice

Autorin: Leonie Martens (Wissenschaftliche Volontärin Kunstvermittlung)

 

Ein neuer Berufseinstieg ist bestimmt für jede*n besonders und aufregend. Wenn aber am ersten Arbeitstag fast keine anderen Mitarbeiter*innen im Haus sind und frau nach zwei Stunden Einführung auch schon wieder auf den Heimweg geschickt wird, dann handelt es sich um meinen einzigartigen Volontariatsantritt mitten in der Covid-19 bedingten Kontaktbeschränkung.

Am 1. April hat also mein wissenschaftliches Volontariat in der Kunstvermittlung begonnen. Ich hatte eigentlich schon erwartet, dass der Arbeitsbeginn aufgrund der Pandemieauswirkungen nach hinten verlegt werden würde. Umso mehr freute ich mich, als mir mitgeteilt wurde, dass ich regulär anfangen dürfe zu arbeiten und zwar direkt aus dem Homeoffice. Da ich nach Münster mit der Bahn pendle, kam mir die Genehmigung für das Homeoffice gelegen, weil der Bahnverkehr zu der Zeit noch sehr stark eingeschränkt war. Für einige Formalitäten musste ich allerdings doch einen kurzen Abstecher ins Museum machen. Statt der üblichen Vorstellungsrunde bei den Kolleg*innen (fast niemand vor Ort) und einer Führung durch die Sammlung (Schließung des Museums), wurden mir alle notwendigen Medien für die Arbeit im Homeoffice erklärt und freigeschaltet. Von Trello über Zoom bis hin zu Microsoft Teams war alles vorhanden. Dann begann die Einarbeitung im heimischen Arbeitszimmer.

Aller Anfang ist schwer

Zu meinen ersten Aufgaben zählte die Durchsicht der Literatur für die kommende Ausstellung „Passion Leidenschaft". Diese muss rechtzeitig sortiert in entsprechenden Ordnern abgelegt werden, damit die Kunstvermittler*innen, die durch die Ausstellung führen werden, leichten Zugriff auf gefragte Informationen haben. Schon an meinem dritten Tag nahm ich an einer Telefonkonferenz teil – ich hörte eigentlich erst einmal nur zu und machte mir Notizen, aber das Gespräch gab mir die Möglichkeit, Mitarbeiter*innen aus anderen Abteilungen zumindest akustisch kennenzulernen und Einblicke in ihre Aufgabenbereiche zu erhalten. Ab meinem zweiten Meeting mit dem Büro der Kunstvermittlung schalteten wir immer die Kamerafunktion ein. Wie viel es ausmacht, sich nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen, wurde dadurch mehr als deutlich! Da sich jede*r neu mit der Arbeit von Zuhause auseinandersetzen musste, waren insbesondere die ersten Meetings turbulent: Manchmal torkelten Kinder ins Bild oder Katzen setzten sich vor die Linse. Die Tatsache, dass bei einigen der Ton nicht richtig funktionieren wollte, die Kamera kein Bild zeigte oder der Empfang immer wieder wegbrach, machte den Einstieg für alle gleichermaßen leicht – oder eben schwer. Egal in welcher Form, die Kommunikation hat jedes Mal (weitestgehend) funktioniert.

Neben solchen Herausforderungen gestalteten sich die ersten Aufgaben durchaus als Homeoffice-freundlich. Zunächst stand die Einarbeitung in den Sammlungsbestand des Museums, in die kommende Ausstellung „Passion Leidenschaft“ und in die verschiedenen Medien und Programme an. Ich hatte einiges an Literatur in Flyer- oder Katalogform vorliegen, sowie in der Cloud hinterlegt, sodass ich in den ersten Wochen hauptsächlich mit der Sichtung und Lektüre beschäftigt war. Darüber hinaus bekam ich hautnah die Erweiterung der digitalen Angebote auf der Museums-Homepage oder dem angeknüpften YouTube-Kanal mit. Dazu zählen auch Videos zu den aktuellen Sonderausstellungen oder Workshops der Kunstvermittlung, die ihren Weg in die digitale Welt gefunden haben. Zum einen mussten die Videos inhaltlich gerafft werden, damit diese nicht zu langatmig werden oder zu viele Sprechpausen entstehen. Zum anderen wurden einzelne Sequenzen gekürzt und zum Teil auch neu aneinandergereiht, um einen logischen Fluss zu bekommen. An diesen zwei Aufgabenbereichen durfte ich ebenfalls schon ein wenig mitwirken. 

Was ansteht…

Das Einlesen und die Sortierung der Literatur für die Kunstvermittler*innen, die durch die Ausstellung führen, gab mir die Möglichkeit, mich fachlich auf die Ausstellung vorzubereiten. Außerdem konnte ich so die wichtigsten Informationen selektieren und einen Überblick über die Kunstwerke und die Konzeption erhalten. Als weitere Aufgabe beschäftige ich mich mit der Konzeption von möglichen Workshops und sammle Ideen für die Sommerferien, die Wechselausstellung und für ein dauerhaftes Angebot. Aufgrund der jetzigen Ausnahmesituation müssen die Einfälle flexibel sein und für verschiedene Gruppengrößen variabel bleiben. Ein völlig neuer Aufgabenbereich für mich ist die Zusammenstellung und das Brainstorming eines Mitmachheftes für die Wechselausstellung „Passion Leidenschaft“, ähnlich wie das der Turner Ausstellung. Die verschiedenen Felder der Kunstvermittlung sind also sehr vielfältig und facettenreich, es gibt sowohl formelle Rahmenbedingungen als auch sehr kreative Prozesse, was für mich als Neuling sehr spannend ist.

Es ist natürlich nicht stetig möglich – da sich immer jemand anderes im Homeoffice befindet – in das Büro nebenan zu gehen, um sich auszutauschen oder Fragen zu stellen. Die zeitweise umständlichere Kommunikation hat bei mir manchmal die Unsicherheit ausgelöst, ob ich alles richtig verstanden oder umgesetzt habe. Da aber alle sehr hilfsbereit, geduldig und die meisten auch per Du sind, wird zu Corona-Zeiten – statt „Komm‘ einfach vorbei, wenn du Fragen hast.“ – „Ruf eben an!“ oder „Schreib‘ mir dann einfach kurz eine Mail.“ angeboten.

Den bisherigen Einstieg in mein Volontariat kann ich als turbulent, ungewöhnlich und spannend beschreiben. Doch in all diesen Turbulenzen ist ein Umstand immer gleichgeblieben. Einer der ersten Sätze beim jeweiligen Kennenlernen lautete zumeist: „Du hast wirklich den verrücktesten/ merkwürdigsten/ aufregendsten Start in das Volontariat!“

⇑ Zum Seitenanfang

Kategorie: Museumsköpfe

Schlagwort: