11.06.2020

Museumsmeldungen: Meister des Lichts

Erstmalig präsentierte das Haus den 300 Gästen feierlich das Gemälde von Pierre Soulages. Foto: LWL/Hanna Neander

Autorin: Leonie Heims (stud. Volontärin)

 

Die Sammlung für Gegenwartskunst bekam im Dezember 2019 ein neue Gemälde: Es besteht aus vier übereinandergesetzten, miteinander verbundenen Leinwänden. Die einzelnen Oberflächen haben einen unterschiedlich schwarzen Farbauftrag. Doch bei genauerem Hinsehen fangen die einzelnen Texturen je nach Lichteinfall an, zu glänzen und zu reflektieren. Es trägt den Titel „Peinture, 324,4 x 181 cm, 12 Avril 2016“ und stammt von Pierre Soulages. Die Geschichte, wie dieses schwarze Bild seinen Weg ins Museum fand, ist die Geschichte einer Freundschaft.

Doch erstmal ganz von vorne:

Pierre Soulages (*24.12.1919) erzählt oft, wie er als Kind ein frisches Blatt Papier mit einem Pinsel voller schwarzer Farbe bemalte. Als man ihn fragte, was es denn darstellen solle, antwortete Soulages, er habe Schnee gemalt.

Für ihn ist die Farbe Schwarz untrennbar mit Licht verbunden, da sie es wie keine andere Farbe sonst reflektiert. Mit verschiedenen Werkzeugen – Pinseln, Bürsten, Rollen und Spachteln – bringt der Maler die Farbschichten aus Acryl auf. Aus verschiedenen Farbschichten lässt Soulages glatte Flächen und Furchen, matte und glänzende Partien entstehen. Das Schwarz verbindet sich für den Künstler mit dem Licht zu einer neuen Dimension, in die man hineingezogen wird.

Im Zusammenspiel mit dem über den Tagesverlauf wechselnden Lichteinfall und dem Standpunkt der Betrachtenden verändert sich schließlich auch die Bildwirkung auf immer neue Weise. Das macht die Lebendigkeit seiner Werke aus. Er nennt das Schwarz seiner Bilder »Outrenoir«, was so viel wie »jenseits des Schwarz« bedeutet.

Mittlerweile umfasst sein Œuvre mehr als sieben Jahrzehnte, in denen er zu einem der bedeutendsten abstrakten Künstler wurde. Und in dieser Schaffenszeit kreuzte sich sein Weg mit dem des Direktors Dr. Hermann Arnhold und dem LWL-Museum für Kunst und Kultur. Die beiden kennen sich seit den frühen 90er Jahren, als Soulages in Rheine das Glas für die Kirchenfenster der Klosterkirche im südfranzösischen Conques produzierte. Einige Jahre später, 1994, kuratierte Arnhold seine erste Ausstellung im münsterischen Kunstmuseum – mit Werken von Soulages. Es dauerte nicht mehr lange, bis Arnhold als Museumsdirektor im Jahr 2006 das erste Kunstwerk von Soulages für die Sammlung ankaufte.

Am 24.12.2019 feierte Soulages seinen einhundertsten Geburtstag. Auch heute noch, mit 100 Jahren, widmet sich der Künstler der Farbe Schwarz und den Reflexen des natürlichen Lichts. Die „Peinture, 324,4 x 181 cm, 12 Avril 2016“ wurde bei einem Besuch von Arnhold letztes Jahr im Atelier des Künstlers im südfranzösischen Fischerort Sète erworben, in dem Soulages nach wie vor täglich arbeitet.

Möglich gemacht wurde der Ankauf mit der Unterstützung der Freunde des Museums und der Sparkasse Münsterland Ost.

"Es gibt für mich keinen passenderen Zeitpunkt für die Erwerbung eines Kunstwerkes von Pierre Soulages. Damit feiern auch wir in Münster den 100. Geburtstag des Künstlers", erklärt Dr. Hermann Arnhold. Für ihn ist das Gemälde sicherlich Anlass, auf die jahrzehntelange Freundschaft zurückzuschauen. Für die Gäste des Museums ist es eine Möglichkeit, sich im Spiel des Lichts und des unerschöpflichen Schwarz zu verlieren.

Kategorie: Museumsmeldungen

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